Welches genetische Potenzial steckt in meiner Herde?


Genomisches Herdenmanagement – zukunftsorientiertes Wirtschaften durch gezielte genomische Selektion und effiziente Anpaarung!

Die Verfügbarkeit von genomischen Informationen zu weiblichen Tieren setzt wichtige Impulse im gesamten Management- und Zuchtgeschehen. Für alle züchterisch und ökonomisch relevanten Merkmale wie Gesamt-, Milch-, Fleisch-, Fitnesszuchtwert sowie Exterieur liegen Informationen über den wirtschaftlichen und genetischen Wert eines Tieres vor. Die wegweisende Etablierung der genomischen Zuchtwertschätzung ermöglicht es, basierend auf einer DNA-Probe, sichere genomische Zuchtwerte bereits für junge Kälber zu schätzen. Seit nunmehr zehn Jahre, gibt es in Österreich die genomischen Zuchtwerte bei Holstein (2010) sowie bei Fleckvieh und Braunvieh (2011). Diese haben die Rinderzucht maßgeblich verändert.

Die Basis für die Genomische Selektion ist die Entnahme von Ohrgewebe am Tier. Es folgt dessen DNA-Extraktion im AIT (Austrian Institute of Technology) in Tulln und schließlich die Genotypisierung durch die GeneControl in München. Im Rahmen der gemeinsamen Zuchtwertschätzung Österreich-Deutschland-Tschechien mit der Beteiligung der ZAR-Tochter ZuchtData GmbH in Wien werden die Daten ausgewertet und für die Genomische Zuchtwertschätzung verwendet. Genomweite SNP-Genotypendaten (Single Nucleotide Polymorphism) erlauben die Schätzung von Zuchtwerten mit Sicherheiten zwischen 40 und 70% bereits beim Jungtier. Waren es in den letzten Jahren eher männliche Tiere welche typisiert wurden erfreut sich auch die Genotypisierung weiblicher Tiere immer größerer Beliebtheit.



Bild: Anzahl der Genotypisierungen in Österreich und Deutschland bei der Rasse Fleckvieh und Braunvieh (ZuchtData, Dr. Fürst, Sept. 2019) 

Alleine im letzten Jahr wurde der Genotypenbestand um 50% gesteigert. Der Hintergrund dieser Entwicklung sind zum einen die beiden Herdentypisierungsprojekte FoKUHs und Braunvieh Vision, aber auch die deutliche Zunahme in der Anzahl weiblicher Routinegenotypisierungen.

Durch diese Entwicklungen wird die Nutzung von Genominformation für die Zuchtarbeit am Betrieb noch interessanter. Die Vorteile einer systematischen genomischen Typisierung sind zukunftsweisend. Die zusätzlich generierten Informationen dienen einer besseren Entscheidungsgrundlage und führen zu zukunftsorientiertem Wirtschaften. Durch den Wissensvorsprung können Selektionsentscheidungen gezielt zum richtigen Zeitpunkt getroffen werden.

Mit den genomischen Informationen zu den weiblichen Tieren erhalten die Betriebe eine gute Sicht auf die genetische Struktur ihrer Herde. Dadurch können frühzeitige Selektionsentscheidungen getroffen werden, zum Beispiel welche Kälber sich zur Aufzucht oder welche Rinder sich zum Verkauf anbieten. Die genomischen Zuchtwerte ermöglichen außerdem eine optimale Anpaarungsplanung mit OPTIBULL. Sämtliche Informationen werden automatisch gespeichert und stehen dem Züchter zur Verfügung. Bei gleichzeitiger Minimierung der Aufzuchtkosten kann so ein Maximum an Zuchtfortschritt erzielt werden. Die Vorteile für den Züchter sind beeindruckend:

  • Berücksichtigung von genetischen Besonderheiten und Erbfehler – positive Eigenschaften wie Hornstatus können angereichert, negative gezielt vermieden werden.
  • Zucht auf funktionale Merkmale - genomische Zuchtwerte bieten die Chance auf funktionale Merkmale, wie Nutzungsdauer zu züchten.
  • Steigerung des Zuchtfortschritts - optimale Anpaarung mit gezielter Berücksichtigung der Stärken und Schwächen mittels dem Anpaarungsplaner Optibull.
  • Frühzeitige Selektionsentscheidungen - Welche Kälber sollen aufgezogen werden? – Für die Selektion der Nachzucht stehen den Züchterinnen und Züchtern unmittelbar nach der Typisierung genomische Zuchtwerte als zusätzliche Entscheidungsgrundlage für die Remontierung zur Verfügung. Einsparungspotential durch gezielte Jungviehaufzucht!
  • Verbesserungspotenziale erkennen – Genetisches Potential der Herde gezielt erkennen.
  • Höhere Sicherheit zu einem frühen Zeitpunkt – Für Merkmale mit niedriger Heritabilität lassen sich bereits beim Kalb Sicherheiten von bis zu 70 % schätzen.
  •  

Das Tier nicht aus den Augen verlieren!

Zusätzlich zur genomischen Information ist es notwendig den Phänotyp (Exterieur und Leistung) der Tiere zu beurteilen und in Selektionsentscheidungen mit einfließen zu lassen. Exterieurmerkmale wie Fundament, Euter, Rahmen und bei Doppelnutzungsrassen auch die Bemuskelung sind wichtige Kriterien.

Im Zuge des Bildungsangebotes Rinderzucht „Kuh sucht Stier – Mit gezielter Anpaarung zum wirtschaftlichen Erfolg“ sind alle interessierten Züchter recht herzlich zu den Seminaren eingeladen. Zuchtwertschätzung, Genotypisierung, Exterieurbeschreibung und der Anpaarungsplaner Optibull sind zentrale Themen des Seminares. Hierbei soll schrittweise der Umgang mit den digitalen Hilfsmitteln präsentiert und mittels praktischer Anwendung erklärt werden.

Aktuelle verfügbare Termine sind:

  • 5. Februar 2020 (Mittwoch), 9 bis 12 Uhr (LA-20-21266) Ort: Kirchenwirt - Kolleritsch, Kirchenplatz 4, 9141 Eberndorf
  • 6. Februar 2020 (Donnerstag), 9 bis 12 Uhr (LA-20-21267) Ort: Hotel Prechtlhof, Schobitzstraße 1, 9330 Althofen
  • 7. Februar 2020 (Freitag), 10 bis 13 Uhr (LA-20-21269) Ort: Gasthaus Fruhmann, Triester Str. 1, 9241 Wernberg

Anmeldung: LK Kärnten, Fr. Angela Murks 0463-5850/1532 MO-DO 07:30-12:00