Braunvieh Exkursion 2019


Direktvermarktung mit Braunviehmilch

Nach Slowenien führte die schon traditionelle Braunvieh Exkursion. Neben dem Kulturellen Programm, Besichtigung der Stadt Laibach, wurden zwei sehr interessante Betriebe besichtigt, die durch die Direktvermarktung ihre Zukunft absichern.

Milchviehhaltung im Kohleabbaugebiet
Als erstes konnten wir den Betrieb der Familie Napotnik in Velenje, einer Region die vor allem durch Industrie geprägt ist, besichtigen. Vor allem der Kohle Abbau ist in dieser Region typisch.
Am Betrieb Napotnik werden 50 Kühe gehalten, 20 davon der Rasse Braunvieh. Die Leistung der Braunviehkühe liegt bei 8.500 kg Milch bei 4,2% Fett und 3,6% Eiweiß. Etwa 100.000 Liter Milch werden am Betrieb zu Topfen, Joghurt, Käse und im Sommer zu Eis verarbeitet. Die restliche Milch wird über eine Liefergemeinschaft, mit einem derzeitigen Milchpreis von 0,33€/kg netto, nach Italien verschickt.

Direktvermarktung ab Hof
Als Uni Absolvent hat Gasper Napotnik in den letzten Jahren auch in die Direktvermarktung investiert, in der kleinen Molkerei werden die Produkte zu 90% über den Hofladen und den Selbstbedienungsautomaten am Hof vermarktet. Dies ist ein großer Vorteil, man braucht nirgends hinfahren und spart sich somit viel Arbeitszeit.
Der Familienbetrieb arbeitet mit vollem Arbeitseinsatz am Betrieb. Gasper Napotnik ist für die Zucht und für die Milchverarbeitung zuständig sein Bruder für die Außenwirtschaft und das Finanzielle. Die Pläne für den Stallneubau stehen auch schon, und im Jahr 2020 soll ein neuer Stall für 50 Kühe mit Heutrocknungsanlage entstehen.

BIO Heumilch
In Trebnje, etwa 50 km südöstlich von Laibach bewirtschaftet Toni Kukenberger, gemeinsam mit seiner Familie und einer Angestellten einen reinen Braunvieh Betrieb mit 20 Kühen. Nach dem Studium hat sich Toni entschlossen, dass er den Betrieb in Vollerwerb weiter bewirtschaften will. Der BIO Heumilchbetrieb verarbeitet ca. 130.000 kg Milch pro Jahr zu Produkten wie Joghurt, Topfen, Käse. Die Produkte werden an Schulen, Gasthäuser, Hotels, Lebensmittelgeschäfte aber auch im Hofladen verkauft. Aufgrund der zu hohen Arbeitsintensität kommt ein Stand auf einen Bauernmarkt nicht in Frage.

Tierwohl
Im umgebauten Stall wird sehr viel Wert auf Tierwohl gelegt, die großzügig ausgelegten Liegeboxen, die nach vorne hin offen sind, aber auch der mit Gummimatten bestückte Laufgang konnten die Teilnehmer überzeugen. Für Toni Kukenberger kommt nur die Braunvieh Rasse in Frage, der hohe Eiweißgehalt und die unkomplizierte umgängliche Kuh passen perfekt zu meinem Betriebskonzept. Zusätzlich werden am Betrieb alle Tiere genotypisiert um die Selektion zu erleichtern. Ich will in zwei Jahren ausschließlich A2 Milch produzieren, dafür ist das Braunvieh ebenfalls perfekt geeignet und die Genotypisierung hilft mir dabei. In der Direktvermarktung sehe ich hier eine zusätzliche Chance meine Milch noch besser vermarkten zu können, meint der innovative Landwirt.

Laibach
Als kulturelles Programm wurden wir durch die Stadt Laibach geführt. Die äußerst interessante und wunderschöne Stadt ist mehr als sehenswert und brachte die Teilnehmer etwas ins Schwärmen. Durch die äußerst interessante Führung wurden uns sowohl die gemeinsame Geschichte als auch die aktuellen Geschehnisse in der Stadt näher gebracht.

Brauerei im Hopfenanbaugebiet
Als Schlusspunkt unserer Reise besichtigten wir in Mitten einer der größten Hopfenanbaugebiete Europas, rund um die Stadt Zalec, die kleine „Green Gold Brewing“ Brauerei in Sempeter. Die innovativen Bierbrauer haben vor 10 Jahren die kleine Brauerei gegründet. Mittlerweile ist die Brauerei für ihre verschiedenen Biersorten, derzeit 16 verschiede, aber auch ihr einzigartiges Design ihrer Bierdosen bekannt. Bei der Verkostung konnten wir die unterschiedlichen Geschmacksmöglichkeiten des Bieres kennenlernen.


Stichwort
Aufgefallen ist…
Bei beiden Betrieben wurde die Milch am Betrieb selbst zu Produkten veredelt. Einmal mehr zeigt sich die hervorragende Eigenschaft der Braunvieh Milch für die Weiterverarbeitung zu Topfen, Käse und Joghurt. Durch den hohen Eiweißgehalt und das Kappa-Kasein BB beim Braunvieh gibt es einfach eine höhere Ausbeute pro Liter Milch als bei anderen Rassen. Diese Eigenschaft wissen nicht nur die Direktvermarkter zu nutzen. Positiv aufgefallen ist auch die Bereitschaft der Kunden die Milchprodukte direkt beim Bauern zu kaufen, dies wäre auch für die Kärntner Bauern durchaus eine Chance.


Hintergrund
Für die meisten Teilnehmer ist die Braunvieh-Exkursion ein Fixpunkt im Jahresablauf geworden. Einmal mehr konnten viele positive Eindrücke gesammelt werden. Sei es beim Kulturprogramm in der Stadt Laibach, die trotz unserer geographischen Nähe viele das erste Mal besucht haben, oder auch den Möglichkeiten und die Vielfalt an verschiedenen Biersorten kennen zu lernen. Vor allem aber konnten wieder zwei sehr interessante Betriebe kennen gelernt werden, die vor allem mit der Rasse Braunvieh positiv wirtschaften und mit ihrer Direktvermarktung den Betrieb im Vollerwerb bewirtschaften können.




Die Teilnehmer waren von der Braunviehherde und der Philosophie sowie den ausgezeichneten Milchprodukten am Betrieb Toni Kukenberger begeistert.

Bei der Bierverkostung fanden die Teilnehmer nicht nur die verschiedenen Biersorten sehr interessant, auch das Design der Bierdosen sorgte für lustigen Gesprächsstoff.


Auch am Betrieb Napotnik konnten wir uns von der Qualität seiner selbst erzeugten Milchprodukte überzeugen.


Am Betrieb Kukenberger werden die Kühe im Sommer auf der Weide am selbst gebauten mobilen Melkstand gemolken.