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Shoppingtour durch Schottland

24.03.2011  
Allerbeste Aberdeen Angus und Beef Shorthorn Genetik kommt nach Kärnten
Die drei Kärntner Züchterkollegen Oliver Behringer, Anguszüchter aus Winklern, Peter Schuhmacher aus St. Veit, Hochlandrinderzüchter, der sich eine Beef Shorthorn Herde aufbauen will und Andreas Privasnig aus Ebenthal, Anguszüchter, machten sich Mitte Februar auf nach Schottland um allerbeste Aberdeen Angus und Beef Shorthorn Genetik aus dem Mutterland dieser Rassen zu kaufen.
Sheila Eggleston von EggsPort, Charolais- und Black Limousinzüchterin, die exklusives Zuchtvieh aller Fleischrassen vermittelt, reiste mit ihnen 4 Tage durch halb Schottland und organisierte diese Reise perfekt bis ins kleinste Detail. Stationen waren die Aberdeen Angus Betriebe Rawburn, Netherton und Chapelton, sowie die Beef Shorthorn Betriebe Glenisla, Fingask, Cairnsmore und Chapelton, die sowohl eine Angus als auch eine Shorthorn Herde züchterisch betreuen.

Angus und Shorthorn Genetik in Großbritannien ist mittlerweile an einem Punkt angelangt, der von unserer mitteleuropäischen Vorstellung dieser Rassen weit entfernt ist. Die Züchter der heimischen britischen Rassen waren gezwungen, sich den konkurrierenden französischen Rassen zu stellen. Durch hochwertigste Sameneinkäufe und nicht zuletzt durch eine hohe Anzahl an Embryonenankäufen in den USA und Kanada ist es den britischen Rassen gelungen, Charolais und Limousin züchterisch Paroli bieten zu können. Bei den jährlichen Versteigerungen im Februar im schottischen Stirling liegt die Latte bei den 20 Monate alten Bullen derzeit bei Shorthorn bei 950 kg, Black Limousin 950 kg, Angus 1000 kg, Limousin 1050 kg, Charolais und Fleckvieh 1100 kg. Diese Angaben erfüllen übrigens nicht nur die allerbesten, sondern ca. 1/3 der aufgetriebenen Bullen. Die meisten Briten legen sehr viel Wert auf Rahmen und exzellente Zunahmen bei ihren Zuchttieren. Für solche Kaliber sind dann Preise von 10.000 € aufwärts üblich – nach oben keine Grenze. 2010 war der teuerste Bulle ein Angusbulle, verkauft um 90.000 € nach Texas. 

Um es vorweg zu nehmen: Alle besuchten Betriebe hatten ein züchterisches Niveau, von dem viele mitteleuropäische Zuchtstätten nur träumen können. Die Einheitlichkeit der Herden war beeindruckend. Das Wort „Zucht“ bekommt auf diesen Betrieben eine ganz andere Bedeutung. Es imponierte die professionelle Einstellung der Züchter zum Tier, zur Rasse, zum Leistungsgedanke und auch zur Wirtschaftlichkeit, die das Tier haben muss. Pedigree, Zuchtdaten und das Einzeltier selbst, wurden individuell präsentiert und genau erläutert und das obwohl manche Betriebe weit mehr als 100 Kühe hatten.

Bei John Elliot`s Rawburn Aberdeen Angus Herde bleibt einem der Atem stehen. Ca. 70 Bullen im Alter von 10-11 Monaten, die ab Mai zum Verkauf stehen, präsentierten sich außerirdisch. Bemuskelung und Zunahme wird hier im Angus Bereich neu definiert – man muss es gesehen haben, welches Potential diese Genetik hat. Als Beispiel: Der Rekordbulle hatte ein 400 Tagesgewicht von 849 kg!! John Elliot verkauft pro Jahr ca. 50 Zuchtbullen, wobei viele auch in die Kreuzungszucht gehen und auch die haben atemberaubende Preise – bei uns unvorstellbar, spiegelt aber die Einstellung der Käufer wieder, die Verbesserung um jeden Preis wollen. Diese Angusgenetik ist in Großbritannien ein gefragter Kreuzungspartner, denn die Rasse steht für komplikationslose Geburten, denen dann schneller Wuchs folgt.

RawburnEdith
"Rawburn Edith" - Gewicht: 1.140 kg

Wer immer noch das Märchen glaubt, dass Angus eine klein bis mittelrahmige Rasse ist, der wird auf Rawburn eines Besseren belehrt. Kreuzbeinhöhen bei Kühen von 155 cm und mehr sind hier keine Seltenheit sondern völlig normal in der ca. 160 köpfigen Mutterkuhherde, die übrigens recht extensiv gefüttert wird. Es gab allerdings auch eine ausgefütterte Schaukuh mit 1140 kg zu sehen. Wer nun sagt, dass dies keine Angus mehr sind, der sollte sich Gedanken darüber machen, warum die erfolgreichsten und teuersten Anguszuchttiere Jahr für Jahr von Rawburn kommen. Wenn man erkennt, welche züchterische Professionalität in dieser Herde steckt, muss man auch die Preise für Rawburn- Zuchttiere legitimieren. Im Prinzip kommt kein Champion, kein Top Seller, kein Rekordtier und kein Top Vererber der letzten Jahre ohne die Genetik von John Elliot aus!

Rawburn Randolph
"Rawburn Randolph" , 3 Jahre, dominiert derzeit die Zuchtwertschätzung bei ANgus in UK

Von langer Hand vorbereitet und auch wissentlich des Preises für diese Genetik, kauften Andreas und Oliver jeweils eine einjährige Kalbin bei Rawburn um eine so genannte „Foundation Kuh“ für ihre Zuchtstätten zu erwerben.  Beide Kalbinnen gehören im EBV Zuchtwertsystem (ein Indexsystem das den Zuchtwert ermittelt für Abkalbewerte, Zunahmen bei 200, 400 und 600 Tagen, Milchleistung, Fleischbeschaffenheit und Fleischqualität die durch Scanning ermittelt wird) zu den Besten 1% der Rasse.
Kalbinnen mit diesen Zuchtwerten wurden noch nie exportiert und auch in Großbritannien wurden nur eine Hand voll verkauft! Diese beiden Tiere werden sicherlich Meilensteine in der österreichischen Anguszucht werden.

Wie führend Rawburn ist, zeigt folgende Statistik: 14 der besten 20 Bullen und 16 der besten 20 Kalbinnen aus dem Jahrgang 2010 aus ganz Großbritannien kommen von Rawburn.

Auch bei Netherton Angus gab es sehr, sehr gute Tiere zu sehen, allerdings alle in Schaukondition gefüttert und die meisten nicht ganz so extrem rahmig wie bei Rawburn. Netherton hat sich auf die Produktion von Embryonen spezialisiert, die weltweit vermarktet werden. Im Gästebuch bei Netherton konnte man allein seit Anfang Februar 2011 Gäste aus Argentinien, Chile, USA, Kanada, Dänemark und Deutschland nachlesen!

Weiter ging es zum traditionsreichen Beef Shorthorn Betrieb von Glenisla in den Highlands. Zu sehen gab es hier eine durchgezüchtete Shorthorn Herde und Kreuzungsprodukte Shorthorn X Highland Cattle, die in Schottland sehr gefragt sind. Es ist weitläufig bekannt, dass die Rasse Highland zu geringe Schlachtkörpermasse produziert. Eine Kreuzung mit Beef Shorthorn bringt hier eine deutliche Steigerung des Schlachtkörpergewichtes bei ausgezeichneter Fleischqualität. Die Shorthorns werden übrigens in Schottland genauso extensiv und ganzjährig im Freien gehalten wie Highland Cattle und sind auch für Mutterkuhhalter anderer Rassen ein sehr gefragter Kreuzungspartner. Gerade die Shorthornkühe verfügen über einen Milchreichtum, der die Kälber extrem schnell wachsen lässt. Man findet gar nicht selten Bullenkälber, die mit 200 Tagen 400 kg wiegen.

GlenislaShorthorns
Shorthorn Mutterkühe auf Glenisla

Bei Fingask Shorthorn bestach ein 21 Monate alter Bulle, der eine Woche vorher auf der Auktion in Stirling gekauft wurde. Er bewies mit 975 kg Lebendgewicht, welches Potential auch in der Rasse Beef Shorthorn steckt.

Nach langer Fahrt erreichte man Cairnsmore Shorthorns. Auch dort waren die örtlichen Gegebenheiten ähnlich wie bei uns in den Alpen. Die Herde, der neue Stall und der ET Vollbruder von „Elliot Bodacious“, der Sieger der Royal Highland Show 2010, waren beeindruckend.

Auch Peter Schuhmacher fand dann „seine Tiere“: Das Maß der Dinge in der Beef Shorthorn Zucht liegt derzeit bei der Chapelton Farm von Donald Biggar. Einer seiner aktuellen Herdenbullen, „Cavans Yankee“ ist der Vater der Rekordpreisbullen der letzten 3 Jahre (Seine 3 Söhne brachten es zusammen auf 50.000 €). Yankee selbst ist eine unglaubliche, mächtige Erscheinung mit knapp 1400 kg bei 165 cm Kreuzbeinhöhe. Die 65 köpfige Shorthorn Mutterkuhherde ist derartig ausgeglichen, dass es im Prinzip keine Unterschiede zwischen den einzelnen Kühen gibt. Chapelton baute sich diese Genetik aus britischen Linien und Embryoimporten aus USA, Kanada und Australien auf. Bei den Jungbullen wurde der Vollbruder des letztjährigen Stirlingchampions präsentiert: Er brachte mit knapp 11 Monaten 585 kg auf die Waage.

Cplton Typhon
„Chapelton Typhoon“, einer der aktuellen Herdenbullen bei Chapelton

Peter Schuhmacher konnte bei Chapelton 4 Ausnahmekalbinnen mit allerhöchsten Zuchtwerten kaufen. 3 von ihnen liegen bei den Zuchtwerten in den Top 1% der Rasse. Peters neu gegründete Shorthorn Zucht wird somit mit dem besten Zuchtmaterial starten, das es derzeit käuflich gibt.

Wenn alle veterinärtechnischen Hürden gemeistert sind, werden Mitte/Ende April vier Shorthorn- und zwei Anguskalbinnen im Gesamtwert von über 33.000 € in Kärnten ankommen. Sicherlich ein Preis, der für viel Kopfschütteln sorgt, doch wer einmal diese Betriebe besucht hat und die Qualität der Herden sieht, wird es vielleicht verstehen. Im Übrigen ist dies der Preis für exklusivstes Zuchtmaterial in Schottland.

Bemerkenswert auch die Erkenntnis, dass es in Großbritannien keine Körungen gibt. Sobald ein Bulle reinrassig und registriert ist, kann er zur Zucht eingesetzt werden. „Du bist selbst schuld, wenn du mit deinem hoffnungslosen Bullen züchtest, denn wundere dich nicht, wenn niemand seine Nachzucht kauft….“, so sind die Züchter immer bemüht, ihr Bestes zu geben.

Peter Schuhmacher: www.sap-highlandcattle.at

Oliver Behringer: www.ehc-behringer.at/aktuelles

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